Rettungsanker
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Rettungsanker.
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"Es existiert kein Artikel mit dem Namen "Rettungsanker".
Rettungsanker ist also kein Artikel. Das weltweite Netz mit seiner Wikipedia-Suchmaschine versagt, weil Rettungsanker kein Artikel ist. Wenn Rettungsanker kein Artikel ist, vielleicht ist er ein Begriff. Der stets verlässliche allwissende gelbe Duden wird mir bestimmt weiterhelfen. Auf der Seite 577 finde ich den Überbegriff Rettung. Der steht oben rechts über allem Anderen. So suche ich vermutlich auf der Seite 577 an der richtigen Stelle. Ich suche. "S. Q - R - S. R. Re. retour. retrodatieren. Re - Re - Re." In der dritten Spalte ganz unten rechts "Rettung". Getrennt werden kann "Rettung" in Ret und tung. Auf die nächste Seite geblättert steht allerdings kein Anker, sondern Rhizopode. Der Rhizopode wird erklärt als etwas Biologisches, in dem Fall als Wurzelfüsser (Einzeller). Ein einsames Dasein für diese Zelle so ganz allein als Einzeller. Der Einzeller könnte die Rettung gut gebrauchen, denn die sind ja bereits zu zweit die Ret und das tung. Vielleicht lässt sich der Anker einfacher finden und wer weiss, es wäre theoretisch möglich, dass die Rettung heute beim Anker zu Besuch ist, dann wären sie schon zu dritt. Die Ret, das tung und der Anker. Das werde ich nachblättern. "A. An. Anabis. An. E - F - G - H - I - J - K. Analekte. A. Anal. anbeten. anketten. Q - R - S - T. Anke. R." Der Anker. Ein Männchen der Anker. Das gibt einen heterosexuellen Begriff der Rettungsanker. Die Rettung und der Anker. Weiblein und Männlein. Wie traditionell und gutbürgerlich. Das gibt eine Ehe wie sie im Buche steht. Der Anker hat sogar zwei Bedeutungen. Nur der Anker als Rettung steht nicht im Buche. Also ist der Rettungsanker trotz gutbürgerlichen Werten auch kein Begriff. Ich fasse zusammen: Rettungsanker ist kein Artikel und kein Begriff. Wenn er kein Begriff ist, kann er auch kein Ding sein, sonst wäre er auch ein Begriff. Er ist also weder Ding, noch Artikel noch Begriff. Allerdings kann es auch nicht Nichts sein, denn Nichts würde in meinem Wortschatz nicht vorkommen weil ich von Nichts nichts wüsste. Man kann nicht an Nichts denken ohne zu wissen, was Nichts sein müsste. Fazit: wenn Rettungsanker nicht Nichts ist, eventuell das Gegenteil von Nichts in Frage kommen könnte. Das Gegenteil von Nichts ist Viel. Viel ist somit eine Mengenangabe. Man kann jede Menge mit Viel angeben. Viel Geld, viel Krempel, viel Regen oder viel Sonne und auch viel Bedeutung. Wenn man viel Bedeutung zuteilt ist es alles Andere als Nichts. Vieles kann viel Bedeutung haben. Jeder wird für sich persönlich seine "viel Bedeutung zuteil"-Liste führen. Meine "viel Bedeutung zuteil"-Liste ist viel zu lang. Ich müsste mir vermutlich viel mehr als viel Zeit nehmen um meine Liste zusammenzutragen und jedem bedeutenden Punkt die Reihenfolge in punkto Wichtigkeit zu verleihen. Ein bedeutender Punkt auf meiner "viel Bedeutung zuteil"-Liste bekommt jedoch kein Einzeller, kein Gegenstand, kein Artikel, kein Nichts sondern einzig und allein der Rettungsanker. Der Rettungsanker für den es keine Umschreibung und keine wissenschaftliche Erklärung gibt, keinen Artikel und dem kein Platz im Duden zur Verfügung gestellt wurde. Doch dieser Rettungsanker ist es, was das Leben lebenswert macht. Denn unerklärlich ist er immer da, wenn man ihn braucht. Und somit auch ganz oben auf meiner "viel Bedeutung zuteil"-Liste.
22. August 2008
Euphorie
Euphorie ist etwas Schönes und doch etwas Künstliches und daher schlussendlich etwas extrem Zerbrechliches. Man bringt sich selbst in Höchststimmung, alle pessimistischen Gedanken weg, verdrängt, weit von sich gestossen. Es geht aufwärts, vorwärts, seitwärts, wohin auch immer, aber es bewegt sich. Bei mir birgt Euphorie den Wunsch nach Veränderung aus dem Alltagstrott. Meistens in Zusammenhang mit meinem künstlerischen Schaffen. Etwas mit Überzeugung, Leidenschaft und Herzblut zu tun, das war seit je her mein Ding. Und Herzblut, davon besitze ich eine Menge. Auch Euphorie ist im Überfluss vorhanden und sie baut und baut und baut:
Traumschlösser.
In meinem Kopf entstehen Welten, manchmal gar ein ganzes Universum, bestehend aus Liebe und Hass, Treue, Tränen, Glück, Vertrauen und allem, was dazu gehört. Und ihr wisst, das Universum ist ziemlich gross und ein Werk von dieser Grösse will irgendwann hinaus, raus aus der Gedankenwelt, in dem es zwar geborgen und sicher ist, doch einfach nicht richtig zur Geltung kommt. Ich will es teilen, mitteilen, herzeigen. Ich will dass es ankommt, dass es ergreift, erweckt und vielleicht, was jetzt irrwitzige Wunschdenkerei ist: verstanden wird. Deswegen lasse ich es raus, mein Universum, hinaus in die reale Welt, in der die Zeit immer schneller läuft, in der man mit Geld weiter kommt als mit Herzblut, in der Menschen Instrumente werden und Macht ausgenutzt wird. Hineinkatapultiert in diese reale Welt, mein Werk, mein Traumschloss, mein Universum, schmilzt dieses zu einem kleinen Klumpen wirrer Ideen, Gedanken und Gefühlen, ein Klumpen, den die Meisten nicht entwirren möchten.
Es ist, als würde ich ununterbrochen Seifenblasen produzieren, schimmernd, wabbelnd und einfach wunderschön. Seifenblasen - nur wer schnell genug hinsieht, erkennt ihre Schönheit bevor sie am Boden aufschlagen und ohne Geräusch zerplatzen. Und wenn der Wind sie weiter trägt, zärtlich und vorsichtig in die Lüfte erhebt, bleiben sie am Leben. Es gibt Menschen, die sind wie der Wind und tragen meine Euphorie in die Lüfte. So dass mein kleines Universum aus meinem Kopf entspringen kann und vielleicht irgendwann auf dieser Homepage seinen Platz findet.
10. November 2006
Seelentanz
Ein Seelentanz den du vollführst,
wiegst dich hin und wiegst dich her,
dabei stets mein Herz berührst,
doch sein Inhalt ist so leer.
Doch nach ewig langem Tanzen,
klar schmerzen deine Füsse,
lassen den eleganten Auftritt erblassen,
nehmen dem Schein denn seine Süsse.
Spiel mit mir, umtanze mich,
sei dir sicher ich erwarte dich,
willst du mich, so rufe mich,
sei dir sicher ich empfange dich.
Längst veraltete Choreographie,
alles schon einmal gesehen,
Gedanken machtest du dir nie,
dachtest es würde immer weitergehen.
Spiel mit mir, umtanze mich,
sei dir sicher ich erwarte dich,
willst du mich, so rufe mich,
sei dir sicher ich erwarte dich.
Was ist nur aus dem Glanz geworden?
Ein Seiltanz ohne Netz und Doppelboden.
Ein Tanz auf dem Seil der Liebe - dünn und fein,
kann oftmals sehr gefährlich sein.
Ich steh' am Ende dieses Stricks,
mit der Axt in meiner Hand,
einst warst du wohl sehr geschickt,
jetzt zitterst du am Seil entlang.
Spiel nur noch einmal mit mir,
umtanze mich ein letztes Mal,
sei dir sicher ich erwarte dich,
bereite dir dein letztes Abendmahl.
Ein Seelentanz den du vollführtest,
wiegtest dich hin und wiegtest dich her,
dabei stets mein Herz berührtest,
doch sein Inhalt war so leer.
Lichter aus.
Juni 2006
Von Damen, Felsen und Regenschirmen
Heute war ich in der Stadt. Obwohl ich mich nicht wirklich wohl fühlte. Müdigkeit und Übelkeit hatten sich eingeschlichen. Woher auch immer sie kamen, besiegen lassen wollte ich mich von ihnen bestimmt nicht.
Besiegen lassen.
Alle, die mich etwas länger kennen wissen, dass Pünktlichkeit leider nicht eine meiner Stärken ist. Je kürzer der Weg, desto grösser die Schwierigkeit zur abgemachten Zeit vor Ort zu sein. Doch heute habe ich es geschafft. Etwas früher stand ich im "Starbucks". Nicht unangenehm erschien mir die Temperatur im Lokal, denn Draussen herrschte das klassische Aprilwetter. Kleine Eiskügelchen prasselten in Begleitung von Regentropfen vom Himmel.
Tropfen.
Trotz Schirm an meinem Handgelenk baumelnd, schritt ich trotzig durch das Gemisch. Meine Mitmenschen bevorzugten rote und grüne Schirme, manchmal auch schwarze oder blaue, ich empfand es als schöner, diese Laune der Natur über mich ergehen zu lassen. Immerhin ist es Frühling, ganz egal, wie sehr das Wetter verrückt spielt. Zudem wusste ich mich bald im warmen nach Kafi duftenden "Starbucks", vor dem Tresen wartend, mit meinem Blick über die Auswahl der Kuchen und Pizzen streifend.
Prüfend, ob sie, die mit den roten, grünen, schwarzen oder blauen Schirmen noch einen Walnuss "Scone" für mich übrig gelassen hatten. Sie hatten. So bestellte ich ein Stück dieser Köstlichkeit, von der niemand in meiner Umgebung so süchtig zu sein scheint wie ich. Ich möchte eigentlich nicht wirklich wissen, wie viele ich davon bisher aus dem braunen Papiersäckchen gekrümelt habe, denn natürlich bestelle ich sie nie auf einem Teller, sondern immer zum Mitnehmen im Papiersäckchen. So auch dieses Mal. Das Papiersäckchen wanderte in meine Umhängetasche, versteckt vor den belustigten Augen meiner Verabredung, die genau wusste, was ich in meiner Dr. Marten's Tasche zu verbergen versuchte. Ihm konnte ich nichts vormachen, das sah ich in seinen Augen, als er mich begrüsst hatte und sich neben mich auf den grossen, bequemen braunen Stoffsessel setzte. Aber ich wollte diesem Menschen auch nichts vormachen, denn wozu sonst trafen wir uns, als uns gegenseitig zu erzählen, was in den vergangenen Tagen und Stunden in unseren Leben vorgefallen war und uns beschäftigte. Aber immerhin, ich hatte es versucht.
Versuchen.
Versuchen, das muss ich bei ihm kaum mehr. Wenige, manchmal keinerlei Worte benötigt er, um zu erkennen, was sich in mir abspielt. So, als wäre mein Kopf eine durchsichtige Umhängetasche und mein "Scone" meine Gedanken, für ihn sofort sichtbar. Treffender, direkter und ehrlicher hatte kaum jemand vor ihm das wiedergeben können, was ich mitteilen wollte. In zwei Generationen, unterschiedlichen Geschlechts, fanden wir zusammen.
Geschlecht.
Eigentlich hatte es für mich nie eine Rolle gespielt, ob meine Freunde männlich oder weiblich waren. Was machte es auch für einen Unterschied? Man mochte sich eben. Und so ist es noch heute. Doch im Film sagte Harry zu Sally: "Männer und Frauen können keine Freunde sein." Über diese Aussage ist wohl viel diskutiert worden. Auch in meinem Bekanntenkreis wurde humorvoll oder ernsthaft darüber geredet und analysiert. Inzwischen bin ich der Meinung, dass Harry Recht hätte, wenn wir alle Vertreter des andern Geschlechts in einen Topf werfen würden. Denn dann, so denke ich mit meinen heutigen Erfahrungen, müssten Mann und Frau sich spinnefeind sein. Vielleicht habe ich mich bisher zu wenig mit dem Thema auseinandergesetzt, zu wenig auf die Feinheiten geachtet, wie die Gesellschaft mit diesem Thema umgeht, dem Thema Mann und Frau. Oder doch Mann gegen Frau bzw. Frau gegen Mann; oder kurz: Gleichberechtigung. Ernsthafte Gedanken über Feminismus machen? Wozu auch? Immerhin weiss ich, dass ich die Türe im Restaurant alleine öffnen kann.
Was musste vorfallen, bis auch ich nicht mehr darum herum komme darüber nachzudenken? War überhaupt etwas vorgefallen? Oder hatte sich das Fass nur Tropfen um Tropfen gefüllt, bis dieser letzte Tropfen das Fass zum überlaufen brachte? Dieser eine kleine Tropfen. Langsam wird mir bewusst, dass ich mich sehr wohl mit der Gleichberechtigung und meiner Rolle in dieser Welt befasst habe. So empfand ich es schon während meiner Schulzeit als unheimlich ungerecht, dass ich stricken und nähen lernen musste, während die Jungs unserer Klasse im Werkunterricht hämmern und sägen durften. Weshalb wir nach Geschlechtern und nicht nach Interessen getrennt wurden, konnte ich schon damals nicht verstehen. Warum Frauen zum Beispiel keine Militärpflicht kennen? Im Militär, dort, wo aus einem Jungen ein Mann wird. Wann wird aus einem Mädchen eine Frau?
Vielleicht dann, wenn in einem Training die "Damen auf die Felsen" treffen. Denn dann weißt du, dass du "nur" eine Frau bist. Dieser eine Tropfen lässt dich zur Frau werden. Und du trägst deinen Schirm an deinem Handgelenk und spürst diesen einen Tropfen auf deiner Haut, während die mit den roten, grünen, schwarzen oder blauen Schirmen unbeirrt ihren Weg gehen.
Und dann ist da dieser Mensch, der mit mir im Regen steht und weiss, was dieser Tropfen bedeutet:
Ein Kampf gegen den Strom, bestehend aus abertausenden Regentropfen.
11./12. April 2006
Vertrauen
Es sind nicht Worte, die wichtig sind,
sondern das Vertrauen, welches sie trägt.
Februar 2005
Konsequenz
Feuer entfacht und abgehauen.
Liegengelassen, ausgebrannt.
Seitenlange Fragebogen,
nichts gewusst, durchgefallen.
Durchgedreht im Karussell,
abgestiegen, nachgedacht.
Seelenschreie hallen,
unbeachtet, ungehört.
Bin ich einsam,
wirst du einsam.
Fragen stellen,
geht nicht mehr.
Denn ich bin fort.
Konsequenz.
Juni 2004
